Der Nahesteig

Es war mal wieder der typische Verlauf. Über unseren Messenger kommt folgendes rein: Entweder von meinem  Kumpel Kevin, oder von mir.  ,,Ich muss wieder raus!" . Dann schreibt der andere. ,,Ich hätte am 7. und 8. März Zeit. Wie sieht es bei dir aus?" Dann wird schnell die Zeit gescheckt. ,,Ok da habe ich Zeit und wo soll es hingehen?" Kurze Zeit später kommt dann ein Link, wie dieser Der Nahesteig  . So weit, so gut. Der Weg war jetzt definiert. Unabhänig voneinander fängt dann jeder für sich zu recherchieren an. Und das kam bei mir raus:

Der Nahesteig ist noch gar nicht offiziell offen, aber schon komplett ausgeschildert. Die geplante Eröffnung ist für den 26.4. 2020 angesetzt. (Wegen der Corona Situation ist die offizielle Eröffnung abgesagt worden). Die Länge des Weges beträgt ca 35,5 Kilometer. Es sind auch einige Höhenmeter zu bewältigen. Es geht ca. 838 Hm rauf und ca. 930 Hm wieder runter. Der Weg führt von Hoppstädten-Weiersbach nach Idar Oberstein. Natürlich kann der Weg auch umgekehrt gewandert werden. Für Wanderer die mit dem Zug anreisen, gibt es in Idar Oberstein und in Neubrücke einen Bahnhof. In Neubrücke führt ein Zubringerweg direkt an den offiziellen Startpunkt zum Nahesteig. Das selbe ist auch in Ida Oberstein der Fall. Natürlich gibt es auch an beiden Punkten Parkplätze für Wanderer, die mit dem Auto anreisen. Die Wanderzeit ist mit ca 11 Stunden angegeben und der Weg wird als mittel bis schwer eingestuft.

Das ist die Wegmarkierung vom Nahesteig. Unser Fazit zur Ausschilderung: Es ist sehr gut Ausgeschildert. Im Normalfall braucht man keine Karte oder ein Navigationsgerät. Leider kommt es immer wieder vor, dass irgendwelche Leute sich einen Spaß daraus machen, einige Markierungen zu entfernen. Es ist also auch nicht schlecht, ein Hilfsmittel wie Karte/Navigationsgerät dabei zu haben. Man hat auch nur bedingt Handyempfang auf dem Weg, haben wir festgestellt.

Das war unser Plan:

Kevin kommt von Saarbrücken mit dem Zug. Ich fahre mit dem Auto nach Neubrücke und steige dort zu Kevin in den Zug. Gemeinsam fahren wir weiter nach Idar Oberstein, wo unsere Tour beginnt.

 

Wir wollten uns richtig viel Zeit lassen und planten zwei Tage ein. Also eine Übernachtung. Endlich war es dann soweit und ich fuhr am Samstag morgen nach Neubrücke. Das Wetter war eher trübe und für Sonntag war sogar Regen gemeldet. Aber das war uns egal. Auf der Zugfahrt nach Idar Oberstein stellten wir beide fest, dass die Nahe doch gut Hochwasser hatte und auch an einigen Stellen über das Ufer getreten ist. In Idar Oberstein angekommen machen wir uns gleich auf den Weg, um zum eigentlichen Startpunkt zu kommen. Dank der guten Beschilderung war das auch überhaupt kein Problem. Und auch auf diesem kleinen Stück Weg, an der Nahe vorbei, wurde uns beiden klar, das wird eine nasse und feuchte Tour. Noch bevor wir am eigentlichen Startpunkt waren, ging es ein Stück durch das schöne Naturschutzgebiet  Kammerwoog- Krechfels. Die Vögel begleiteten uns mir ihrem herrlichen Pfeifen und singen. Der Weg war ein schmaler Pfad und durch die vielen Niederschläge der vergangenen Tage oder Wochen bedingt, war alles nass und matschig. Uns machte dies aber nichts aus. Und so gingen wir mit einer super Laune weiter.

Die Natur fing schon an die ersten Knospen sprießen zu lassen und man merkte deutlich,  der Frühling kann nicht mehr weit sein.

Es ging vorbei an  der ehemaligen„Hoppstädter Achatschleife“. Dort standen einmal zwei Häuser mit vier Schleifsteinen.

Weiter ging es auf schönen Pfaden und Wegen, bis wir ein eher seltenes Hinderniss zu überwinden hatten. Der Weg hatte sich gerade ein Stück in ein parkartiges Erscheinungsbild verwandelt. Also damit meine ich links von uns die sehr volle und mit starker Strömung fließende Nahe. Dann kommt da normalerweise ein Stück Wiese, bevor der geteerte Fuß und Fahrradweg anfängt. Bei uns war da aber nur Wasser. Die Nahe ist an dieser Stelle bestimmt 20 bis dreißig Meter weit aus ihren Flussbett getreten. Unser Weg war also komplett überflutetet. Und das ganze war an einer Brückenunterführung. Wir hatten keine Wahl, entweder Abbruch der Tour, oder da durch. Da wir ja auch kleine Abenteuer sind und uns klar war das wir auf dieser Tour einige zu bewältigen hatten, zögerten wir nicht lange. Schuhe und Socken aus und durch. Kevin machte die Vorhut. Und das war gut so, denn Kevin ist auch ein ganzes Stück größer als ich. So sah ich wie tief es wirklich war. Es waren nicht nur 10 cm, sondern bestimmt an der tiefsten Stelle so 60 cm. Bei der Tiefe wären auch meine Hosen sehr nass geworden. Doch dank der Vorhut von Kevin, konnte ich mir direkt nach der Brücke eine etwas flacherere Stelle suchen und so kam auch ich gut durchs Wasser.

Nach dem wir unsere Schuhe wieder angezogen hatten ging es weiter. Ein sehr schöner schmaler Pfad führte uns einen Berg hinauf. Oben angekommen hatten wir eine herrliche Aussicht auf Enzweiler.

Nach einer kleinen Pause ging es dann weiter. Der Weg führte uns dann wieder runter ins Tal. Den Ort Enzweiler streiften wir nur kurz. Wir kamen der Nahe wieder sehr nah, aber dieses mal hatten wir Glück und konnten unsere Schuhe an den Füßen lassen. Es ging schnell aus dem Ort raus und ein Stück an der Straße entlang. Normalerweise stört mich so etwas immer, aber hier war es irgendwie anders. Es war auch nicht weit bis wir über einen steilen Pfad nach oben von der Straße weggeführt wurden. Als Aufstiegshilfe dient dir hier ein Stahlseil, welches dir eine große Hilfe sein kann. Vor allem wenn es so schmierig und rutschig ist wie bei uns. Nachdem wir die Teufelsforde und den Teufelsgraben passiert hatten, machten wir eine ausgiebige Mittagspause am Weibersprung.

Ausgeruht und gesättigt ging es dann weiter. Zunächst mussten wir eine Weile über offenes Feld laufen. Der Wirtschaftsweg ist da geteert, was um diese Jahreszeit ohne grün und blühenden Pflanzen schon recht langweilig sein kann. Aber auch dies Stück verging, bevor es wieder in den Wald auf einen Singel Trail ging.

Gegen 16.00 - 16.30 Uhr kamen wir in Nohen an. Der Ort Nohen makiert quasi die Hälfte des Weges. Eine ideale Möglichkeit für Wanderer, die den Nahesteig in zwei Tagen laufen, hier eine Übernachtung einzulegen. Wir legten hier zwar keine Übernachtung ein, aber während ich nach dem Weg schaute, hatte Kevin direkt vor uns ein Cafe entdeckt.  Ich wäre glatt vorbei gelaufen so unscheinbar fügt es sich in die Ortschaft ein. Da gegen eine gute Tasse Kaffee nichts einzuwenden war, kehrten wir hier ein. Gemütlich genossen wir super leckeren Kuchen und genügend Kaffee. (Unser Tipp: Das Cafe Allerhand liegt direkt am Weg. Bei uns gab es super leckeren Kuchen und die Speisekarte sah auch verlockend aus). Hier könnt ihr auch Zimmer buchen für die Übernachtung. 

Ganz ehrlich, uns fiel es nicht leicht die warmen Räume zu verlassen. Und die Möglichkeit ein Zimmer zu bekommen bestand ja auch. Aber wir sind dann doch noch die paar Kilometer gewandert. Rechtzeitig vor Sonnenuntergang haben wir uns dann einen geeigneten Biwakplatz gesucht um dort zu übernachten. Am nächsten Morgen wurden wir durch ein schönes Pfeifkonzert der Vögel geweckt. So genossen wir das erwachen des Tages mit einem guten Frühstück und Vogelgesang. Gegen 8.00 Uhr hatten wir wieder alles in unseren Rucksäcken verstaut und waren abmarschbereit. Von unserem Nachtbiwak war nichts mehr zu sehen . (Verlasse dein Lager als wärst du nie da gewesen)  

Gut gelaunt und voller Tatendrang ging es weiter auf dem Nahesteig. Zuerst ein Stück am Feldrand entlang. Der Himmel war bedeckt aber es blieb trocken. Das freute uns sehr und hob natürlich auch unserer Stimmung. Schon bald kamen wir an eine Hangkante mit vielen Sitzgelegenheiten. Das besondere hier ist, das es einen sogenannten Weinschrank  gibt. Hier kann man- außer einer herrlichen Aussicht zu genießen- auch ein Gläschen Wein trinken, wenn man das möchte. Auch wenn es erst morgens halb neun war, ließen wir uns diesen Spaß nicht entgehen. Natürlich gibt es den Wein nicht umsonst. Du kannst aus drei verschiedenen Weinsorten wählen und ein kleines Fläschchen kostet 2,50 Euro, die dann bitte auch ehrlich bezahlt werden. Der Erlös geht in die Instandhaltung der Traumschleife. 

Nach der kurzen Pause ging es wieder weiter. Der Weg führte uns nun wieder ins Tal und die Nahe die wir vor kurzem noch von unserem Aussichtspunkt sahen begleitete uns jetzt wieder ein ganzes Stück. Der Weg wechselte in einen schmalen Pfad, der uns oberhalb der reißenden Nahe aus dem Tal führte.

Bald darauf erreichen wir wieder ein offenes Gebiet, was uns wieder eine herrliche Ansicht bot. Zufrieden und ungestört ästen dort einige Rehe. Es war ein schöner Anblick.

Nun war es auch nicht mehr weit, noch 10 Kilometer bis wir am Ziel in Neubrücke am Ende unserer Tour waren. Wir kamen dann noch am Keltischen Baumkreis vorbei. Dort kann man sich auf die Suche nach seinem eigenen Geburtsbaum machen. Nun war es auch nicht mehr weit bis wir am Ziel waren. Bedingt durch das Hochwasser mussten wir noch die Umleitung in Hoppstädten- Weilersbach laufen. Hier führt der Weg bei normalem Wasserstand über die Nahe. Dies war bei uns aber unmöglich

Unser Fazit: Der Nahesteig ist ein sehr schöner Wanderweg, der seine Stärken, aber auch Schwächen hat. Die Stärken überwiegen allerdings. Es gibt sehr schöne Pfade und eine herrliche Natur. Man hat auch einige Kilometer Straße und Schotterwege zu bewältigen, aber unserer Meinung nach fällt das nicht so arg ins Gewicht. Wir sind den Steig in einer Jahreszeit mit Hochwasser und Windwurf gegangen. Das war für uns ein Abenteuer und wir lieben diese Herausforderungen. Dafür war das Landschaftsbild eher trübe. Wir haben auch beschlossen, dass wir diesen schönen Wanderweg auch zu einer anderen Jahreszeit noch einmal wandern möchten. Wir können euch den Nahesteig auf jeden Fall empfehlen und wünschen euch viel Spaß beim nachwandern.

Auf meinem YouTube Kanal gibt es auch die Videos zur Tour . Hier geht es zur Playlist